JU trifft Probst Dr. Richter

2011-01-12 JU Probst

Ist in der Politik noch Platz für christliche Grundüberzeugungen? Mitglieder der Jungen Union Mark diskutieren mit Propst Dr. Richter über Politik und Religion unter dem Thema "Das Christentum - Fundament unserer Politik"

Egal, ob sich die Debatten um die Finanzkrise, Integration von Muslimen, Abtreibung, Altenpflege, Familienpolitik oder Bundeswehreinsätze drehen: Fast täglich stehen in der Politik weit reichende Entscheidungen an, die eine klare Orientierung an Grundüberzeugungen verlangen. Doch worin bestehen diese Grundüberzeugungen heute noch? Ist es die Vorstellung, dass "Opposition Mist ist" und die nächste Wahl um jeden Preis gewonnen werden muss? Oder ist auch heute noch Platz für stabile Grundüberzeugungen, die auf dem christlichen Menschenbild beruhen und das langfristige Wohl jedes einzelnen Menschen und der Gesellschaft gleichermaßen in den Vordergrund rücken?

Um diesen Fragen nachzugehen, luden die Jungpolitiker der Jungen Union Mark Propst Dr. Richter zu einer offenen Diskussion nach Balve ein.

Schon in den einleitenden Erläuterungen des Geistlichen zeigte sich: das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sowie der Einfluss christlicher Grundüberzeugungen auf politische Entscheidungen unterliegen einem stetigen Wandel. Eine differenziertere Gesellschaft, sich lockernde Bindungen in den Familien und eine zunehmende Entfremdung zu Staat und Kirche stellen die Politik vor große Herausforderungen. So dürfe trotz der Suche nach Mehrheiten der Wahlkampf nicht zum populistischen Stimmenfang verkommen, waren sich die Mitglieder der Jungen Union und Dr. Richter einig. Auf dem Fundament stabiler Wertmaßstäbe müsse entschieden werden. Zudem müsse ein verantwortungsvoller Volksvertreter die Kraft und Ausdauer haben, diese Werte konsequent hochzuhalten; auch, wenn dies unbequeme Worte zum überforderten Sozialsystem oder zu umstrittenen Fragen der Abtreibung verlange. Bei Letzterem seien der uneingeschränkte Schutz des Lebens und ein klares Nein zu Nützlichkeitsüberlegungen von Nöten, so die Diskussionsteilnehmer. Hier würde sich bereits eine schrittweise Öffnung zu einem Dammbruch mit unabsehbaren Folgen entwickeln und sei daher nicht tolerierbar. Doch sei in dieser Frage auch unter Anhängern der CDU eine stabile Mehrheit fraglich, gab Propst Dr. Richter zu bedenken.

Um jedoch auch in Zeiten erstarkender Wechselwähler und zunehmender Personenwahlkämpfe, bei gleichzeitig schwindenden Grundsatzpositionen bei Parteien und Wählern noch die notwendigen Mehrheiten gewinnen zu können, müsse ein adäquater Mittelweg zwischen eigener Überzeugungskraft und vertretbarer Kompromissbereitschaft gefunden werden, so die einhellige Meinung. Diese für Politiker äußerst relevante Fähigkeit müsse in den politischen Jugendorganisationen noch stärker gefördert werden.